Zalando treibt den Wandel von klassischen Online-Shops hin zu umfassenden Plattform-Ökosystemen voran. Das Unternehmen bündelt Logistik, Software und Services unter der Marke ZEOS, öffnet seine Infrastruktur für Dritte und formuliert konkrete Wachstumsziele bis 2028. Dieser Schritt steht exemplarisch für die Transformation vieler E-Commerce Plattformen, die aus dem reinen Shop eine vernetzte, datengetriebene Serviceplattform formen.
Die Entscheidung hat Folgen für Händler, Marktplätze und Agenturen: sie betrifft Digitalisierung, Kundenerlebnis und die strategische Ausrichtung auf Multichannel-Modelle. Welche Bausteine Zalando nutzt, welche Kennzahlen dahinterstehen und welche Chancen sich daraus für die Branche ergeben, zeigt die Analyse.
E-Commerce Plattformen im Wandel: Zalando setzt auf ein Ökosystem statt reinen Shop
Strategische Ankündigung und zentrale Zahlen
Zalando hat in seinen jüngsten strategischen Aussagen die Verschiebung vom Marktplatz zum Ökosystem offengelegt. Im Fokus stehen weiterhin das B2C-Geschäft und zugleich der Ausbau eines B2B-Angebots, mit dem Zalando seine Logistik- und Softwareinfrastruktur für Marken und Händler öffnet.
Konkrete Daten untermauern den Vorstoß: Das Bruttowarenvolumen (GMV) für 2023 lag laut Unternehmensangaben bei 14,6 Milliarden Euro, der Umsatz bei 10,1 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT stieg auf 350 Millionen Euro. Mittelfristig will Zalando eine jährliche Wachstumsrate von 5–10 Prozent beim GMV und Umsatz erreichen und bis 2028 eine bereinigte EBIT-Marge von 6–8 Prozent anstreben.
Diese Zahlen stehen neben dem Ziel, langfristig rund 15 Prozent des europäischen Modemarktes zu bedienen, den Zalando mit einem Volumen von 450 Milliarden Euro beziffert. Insight: Zalando nutzt finanzielle und operative Hebel, um den Übergang vom Shop zum Plattformbetreiber zu finanzieren und zu skalieren.

ZEOS und Multichannel-Architektur: Logistik, Software und Services
Aufbau des Betriebsmodells und Infrastruktur
Die unter ZEOS gebündelten Angebote sollen als Betriebssystem für Mode- und Lifestyle-Handel fungieren. Zalando beschreibt drei modulare Bereiche: erstens gemeinsame Logistik mit einem Netzwerk von 12 Logistikzentren, rund 20 Retourenzentren und mehr als 40 lokalen Transportdienstleistern. Zweitens Software- und Digitalservices, gestützt durch die Integration von Tradebyte, dem Marketplace-Integrator im Konzern.
Drittens bietet ZEOS ergänzende Dienstleistungen wie Produktpräsentation oder Finanzierung, die Partner in das Ökosystem bringen. Zalando nennt für ZEOS einen Umsatz von rund 0,9 Milliarden Euro, womit das Segment bereits heute eine wirtschaftliche Basis besitzt.
Die Modularität erlaubt Marken, einzelne Bausteine zu nutzen oder das komplette Paket zu buchen. Das Ergebnis ist ein praxisnaher Multichannel-Ansatz, der Inside-Out‑Services auch außerhalb des Zalando-Marktplatzes verfügbar macht. Insight: Die Kombination aus Infrastruktur und Software schafft Skalenvorteile für Dritte, erhöht aber auch die Abhängigkeit von Plattformstandards.
Marktauswirkungen: Innovation, Marktplatzdynamik und Folgen für Agenturen
Wettbewerb, Agenturen und Lebenszyklus von digitalen Ökosystemen
Für Händler und E-Commerce-Agenturen entsteht eine neue Spielwiese: Während klassische Shop-Entwicklung commoditized wird, wächst die Nachfrage nach komplexen Plattformlösungen und Integrationsprojekten. Zalando selbst berichtet, dass der Anteil des Partnergeschäfts am GMV im Fashion Store auf 39,2 Prozent gestiegen ist und der Anteil der durch Zalando Fulfillment Solutions versandten Artikel im vierten Quartal bei 62 Prozent lag.
Die Branchendynamik lässt sich entlang typischer Phasen eines digitalen Ökosystems beschreiben: Positionierung, Gestaltung, Prüfung der Machbarkeit, MVP-Launch, startendes Wachstum und schließlich expandierendes Wachstum mit hohem Automatisierungsgrad. Entscheidend ist, dass Unternehmen früh entscheiden, ob sie einem Ökosystem beitreten, ein eigenes initiieren oder Abstand halten.
Für Agenturen bedeutet das: Expertise in Plattformarchitektur und B2B-Services wird wertvoller als reines UX- oder Conversion‑Design. Für Marken eröffnet die Offenheit von Plattformen neue Absatzwege, zugleich steigen Anforderungen an Daten‑, Logistik- und Legal-Compliance. Insight: Die Verlagerung vom Shop zum Ökosystem verändert Wertschöpfung und Wettbewerbsregeln – wer früh stark in Integrationen und Automatisierung investiert, kann die Netzwerkeffekte nutzen.



